Präsentieren wie Thomas Gottschalk?

Vita:

Michael Rossié steht seit fast 30 Jahren auf der Bühne sowie im Studio und arbeitet seit 25 Jahren als Speaker, Sprechtrainer und Coach im Auftrag vieler Radio- und Fernsehsender, sowie für fast alle Bereiche der Wirtschaft.

Er hat die Schauspielschule Ruth v. Zerboni in München besucht und danach als freier Schauspieler und Regisseur gearbeitet. Er arbeitet für Filmproduktionen, Wirtschaftsunternehmen, Akademien, mit Moderatoren, Sprechern, Sängern, Sportlern, Musikern, um nur einige zu nennen. Außerdem ist er viel gefragter Redner und Keynote-Speaker.

Und ganz wichtig zu erwähnen. Seit 2013 trägst Michael Rossie´ als zwölfter deutscher Redner den Titel CSP.

Was heißt CSP?

Das heißt Certified Speaking Professional und eine international anerkannte Auszeichnung für Speaker. Ich war damals ganz aufgeregt. Die Verleihung findet in Amerika statt, das steht man auf der großen Bühne, da ist der amerikanische Präsident, dann heißt es "Now, verry warm Welcome. Mike Rossie from Germany." CSP ist in Amerika hoch angesehen, wenn du das CSP Tape trägst, spricht Dich jeder an, auch in Deutschland beginnen wir damit. Es gibt bereits CSP Treffen. CSP ist so etwas wie für das Abitur der Speaker.

Ist ja fast wie die Hall of Fame für Speaker?

Naja es ist weniger dass Du für die Speaker Branche gearbeitet hast, sondern vielmehr dass Du so und so viel Vorträge abliefern, Du musst so und so viel Gehalt pro Jahr abliefern, Du musst eine Keynote abliefern, das ist schon sehr aufwändig, da bist Du ein ganzes Jahr beschäftigt. Wenn Du dann den ganzen Prozess durchlaufen hast, macht einen das ziemlich stolz.

Was ist Dein persönlicher Pitch?

Das kann ich so jetzt nicht sagen. Es gibt keinen festgelegten Pitch, denn ich finde es immer furchtbar, wenn man so seinen Text aufsagt. Manchmal mache ich eine Übung, wenn jemand sagt, "Herr Rossié was machen Sie?" Dann sage ich "Stellen Sie sich einmal kurz vor." Dann passiert meist das mein Gesprächspartner sagt, "ich heiße so und so" und die meisten ziehen die Satzenden immer nach oben.

Dann kommt meist ein "Ja, stimmt", "genau das lernen Sie bei mir, dass Sie das nicht mehr machen", manchmal stelle ich mich auch als Sprechtrainer oder Speaker vor, oder ich sage, dass ich anderen helfe in Kommunikationssituationen besser zu führen, besser etwas beibringen zu können, egal ob auf der Bühne oder im Zweiergespräch. Also wie können Menschen besser miteinander zurechtkommen und ihre Botschaft besser und präziser rüberbringen.

Wie hast Du Deine Leidenschaft gefunden?

Leidenschaft überfällt Dich. Ich liebe ein Lied Konstantin Wecker sehr, der singt "Ich singe, weil ich ein Lied habe und nicht weil es euch gefällt". Ich war ein großer Leser, habe begonnen Gedichte zu schreiben, Sprache hat mir immer viel bedeutet und in der Schule war ich in einer Schultheatergruppe und das hat mir solchen Spaß gemacht, dass ich gesagt habe, das möchte ich ein Leben langmachen.

Ich wollte jedoch nicht Schauspieler werden, sondern Kabarettist. Ich erinnere mich noch an so eine Jugendleiterschulung und da war ein Büchertisch mit rund hundert Büchern drauf und da hat mich ein Buch magisch angezogen. " Kabarett mit Jugendlichen." Und mit meinen 14 Jahren wusste ich schon, ich möchte Leute unterhalten, den Menschen Spaß bereiten.

Du bist gelernter Schauspieler, hast als Autor auch Serien geschrieben. Welche Serien hast Du geschrieben?

Ich habe Serien wie beispielsweise der Bergdoktor, in aller Freundschaft, oder für alle Fälle Stephanie. Ich habe Drehbücher für Serien geschrieben und ich schreibe nebenher Kurzkrimis für Anthologien. Ich bin eines der Gründungsmitglieder des Syndikates, das ist der Verband der deutschsprachigen Kriminalschriftsteller.

Du bringst in Deinen Vorträgen eine sehr große Spannung. Kannst Du noch einmal die Story vom vergifteten Glas erzählen?

Stell Dir vor Du hast einen Krimi und es geht darum, dass Gift getrunken wird. Jetzt ist es ganz entscheidend, dass der Zuschauer weiß, dass das Glas vergiftet sein könnte, weil der Krimi beispielsweise Gift im Glas heißt, oder ob er das nicht weiß. Wenn er das nicht weiß, wenn er nicht damit rechnet, das im Glas Gift enthalten ist, dann trinkt derjenige mit dem Glas den Inhalt, fällt um, weil er ja Gift getrunken hat und der Zuseher ist völlig überrascht, weil er denkt oh Gott, was ist da passiert.

Wenn ich jedoch ahne, dass er Gift trinkt, weil ich beispielsweise den Mörder schon gesehen habe, wie er das Gift anrührt, jetzt darf der nicht sofort umkippen. Jetzt muss er einmal fast trinken und nochmals fast trinken, dann trinkt er und es passiert überhaupt nichts. Und erst nach rund 30 Sekunden kippt er um. D.h. Dramaturgie hat mit Mathematik zu tun. Das konstruiert man. So etwas zu kreieren ist harte Arbeit.

Das ist auch ein Thema Deiner Vorträge. Wie bringe ich Spannung in meine Vorträge.

Ich hatte kürzlich mit einem sehr prominenten Menschen zu tun und ich habe ihm gesagt, seine Vorträge sind langweilig. Und das hat er mir bestätigt. Weil er die falsche Technik anwendet. Denn wenn Du immer dasselbe auf der Bühne erzählst, dann wird das langweilig und man braucht schauspielerische Fähigkeiten. Ausnahme sind Pointen. Denn wenn die richtig gesetzt sind und die Leute lachen, dann ist das herrlich. Da bekomme ich nie genug davon. Aber wenn Du 10 Punkte von irgendwas nur erzählst, nicht gut vorbereitest, dann wird das irgendwann ziemlich öde.

Wie viele Tag im Jahr bist Du als Speaker unterwegs?

Es sind so 210 Termine, das sind so 90 bis 100 Keynotes, dann kommen noch 60 bis 70 Seminare dazu, der Rest sind Einzelcoachings.

Bist Du eigentlich noch nervös, wenn Du Live Auftritte hast?

Ja, auf alle Fälle, denn Nervosität kannst Du nicht kontrollieren. Wenn in der ersten Reihe eine Frau sitzt, die mich an meine erste Freundin erinnert, dann bin ich nervös. Es gibt auch Veranstalter die Dich nervös machen. Wenn ich Vorträge in Englisch mache, da bin ich oft sehr nervös. Schon Tage vorher.

Wie bereitest Du Dich für Deine Auftritte vor?

Ich habe beispielsweise für einen Schneekanonenhersteller gesprochen, es waren Menschen aus der ganzen Welt da, der Vortrag dauerte 45 min. Ich habe mich darauf schon 3 Monate vorher begonnen, mich vorzubereiten. Ich weiß jetzt eine ganze Menge über Schneekanonen und Schneelanzen, weil ich wollte auch deren Topmodell kennen. Sie sprechen nicht von künstlichen Schnee, sondern von technischem Schnee.  D.h. hätte ich von künstlichen Schnee gesprochen, wäre das nicht gut angekommen. Daher muss ich das wissen, von was wir sprechen. Ich war also perfekt vorbereitet.

Ich über folgendermaßen. Ich spreche frei. D.h. ich halte diese Rede frei im Keller vor einer Kamera und die Aufnahme schicke ich meiner Englischtrainerin und sie schickt mir dann die fehlenden Vokabeln, sie bessert die Fehler aus. Dann überarbeite ich das, gehe also wieder in den Keller und bessere es aus.

Und wenn Du dann so einen Vortrag zehn bis fünfzehn Mal im Keller gehalten hast, immer etwas anders, immer das Feedback bekommen hast, dann ist es auf der richtigen Bühne nicht mehr ganz so schwierig. Also Übung und Training ist eine ganz wichtige Voraussetzung als Vorbereitung.

Deine Stimme ist als Speaker Deine Visitenkarte. Was machst Du gegen Stimmprobleme?

Es ist schon eine ständige Angst, denn ohne Stimme kannst Du nicht sprechen. Also mit Fieber komme ich zurecht, das ist kein Problem, aber habe mir in den Pausen auch schon Wadenwickel gemacht. Und wenn’s um die Stimme geht, das merkst Du schon am Morgen, dann singe ich mich ein, oder spreche mich ein. Wenn ich mit dem Headset arbeite kann die Stimme auch etwas rauer sein, das macht nichts. Ich bin sehr vorsichtig mit Alkohol.

Wenn ich am Morgen auf die Bühne muss, gibt es am Vorabend keinen Alkohol. Wenn ich erst am späten Nachmittag auf die Bühne muss, ist das dann kein Problem. Dann kann schon mal ein Glas Wein dabei sein. Aber sonst nicht. Falls die Stimme schon am beim Aufstehen streikt, mache ich Sprechübungen, oder ich summe. Das klappt dann auch. Im Notfallkoffer sind jedoch immer Lutschtabletten mit dabei.

Was war Dein schlimmster Moment als Speaker?

Da gibt es viele. Stimmverlust ist jetzt nicht das Problem, ich bin immer gut vorbereitet. Das schlimmste ist, dass Du das Publikum nicht auf Deine Seite bekommst. Ich erinnere mich noch, da war ich ein junger Schauspieler und ich habe in einer Schwabinger Kneippe Gedichte vorgetragen und das Publikum hat überhaupt nicht reagiert, bis ich am Ende herausgefunden habe, das waren Franzosen und die haben kein Wort verstanden von dem was ich gesagt habe.

Oder in Wien hatte ich einmal einen Vortrag vor Fachverkäuferinnen und der ist mittelgut angekommen. Da war ich schon sehr frustriert, weil es nicht funktioniert hat. Ich war noch ein zweites Mal dort, da hat mich der Chef ziemlich zur Schnecke gemacht, weil es ihm überhaupt nicht gefallen hat, was ich gemacht habe.

Aber ich wusste dann, warum ich nicht angekommen bin, was dem Chef nicht gefallen hat. Das war die Akustik in von der Halle, denn das war eine Basketball Halle und wenn ich dazu noch sehr schnell spreche und dass in Österreich, dann kann es vorkommen, dass ich schwer zu verstehen bin.

Hast Du einen Tipp für unsere Hörer, was Du machst damit so etwas nicht mehr vorkommt?

Technik Check ist Pflicht. D.h. wenn ich um 16 Uhr drankomme und die Veranstaltung beginnt um 9 Uhr, dann bin ich kurz vor 9 Uhr vor Ort. D.h. ich werde gut bezahlt, also habe ich da zu sein. Und es ist sehr wichtig, die Rede an das Publikum anzupassen. Beispiel: Wir waren auf einem großen Wissensforum, ich war der vierte oder fünfte Speaker. Die ersten Beiden hatten es richtig schwer, weil die Bühne so breit war. Da habe ich gewusst, so kann ich das nicht machen und habe mich in der Mitte positioniert, wurde von der Kamera erfasst und 80% des Publikums haben mich über das Kamerabild gesehen.

 

Daher ist es ganz wichtig zu sehen und auch zu hören, ob das alles funktioniert.

 

Und das sehen ich dann bei denjenigen die vor mir an der Reihe sind. Ich bin auf einer Rednernacht, sehe den anderen zu und merke, dass der Hintergrund dunkelblau ist. Und die Kollegen stehen mit dunkelblauen Anzügen vor einem dunkelblauen Hintergrund. Das geht nicht. Ich bin aber vorbereitet und habe zwei Anzüge mit dabei. Einen hellen und einen dunklen. Ich treffe mich mit dem Techniker, habe mein eigenes Headset mit fünf Adaptern. Ich überlasse nichts dem Zufall.

Du bist auch noch erfolgreicher Autor. Die Gesamtauflage aller Titel von Dir liegt über 50.000.
Wie schaffst Du es bei Deinem Arbeitspensum noch Bücher zu schreiben?

Das ist aber ein Zeitraum von 20 Jahren. Ich bin sehr zufrieden. Die Begriffe "Longseller" oder "Bestseller" kann man immer gut verwenden. Zwei meiner Bücher sind "Longseller" , die verkaufe ich in der sechsten oder siebten Auflage.

Das ist das "Sprechertraining", ein Standartwerk für Nachrichtensprecher, da lernst Du Nachrichten oder Texte richtig vorzulesen, das zweite ist "Frei sprechen" das ist ursprünglich geschrieben für Fernsehmoderatoren, ist aber nicht ausschließlich für Fernsehmoderatoren. Das sind zwei Standardwerk und ich denke die verkaufen sich sicherlich noch eine Weile.

Wo liegt jetzt für Dich der Unterschied von Live- und Studiosprechen?

Also das musst Du beides lernen, das sind zwei verschiedene Handwerke. Wenn Du freisprechen kannst, dann heißt das noch nicht, dass Du vom Telepromter einen Text ablesen kannst. Und wenn Du vom Teleprompter einen Text lesen kannst, heißt das noch lange nicht, dass Du eine Gala moderieren kannst. Das kann man beides lernen, ist jedoch etwas völlig anderes. In meinen Augen sollten professionelle Moderatoren beides können, Speaker können sich entscheiden.

Es gibt Speaker die lernen den Text auswendig und es gibt Speaker die sprechen frei. Aber auch da gibt es Pointen oder Geschichten die immer gleich sind. Denn wenn Du so ein Muster hast was gut ankommt, dann sollte man das unbedingt beibehalten.

Für mich ist da Thomas Gottschalk ein Vorbild. Bei ihm kommt alles so aus dem Bauch heraus. Zumindest hat es den Anschein.

Der Thomas Gottschalk spricht zwar frei. Er hat jedoch eine Gedächtnisstütze und das ist eine Frau. Die hat so eine Art Servierwagen mit dem sie hinter ihm herfährt, bzw. neben der Kamera nebenherfährt und ihm immer Schilder hochhält, was er gerade tun muss. Thomas Gottschalk verlässt sich sehr auf sie. Da steht dann beispielsweise drauf, langsamer, schneller, es steht der nächste Studiogast drauf, geh ein bisschen mehr nach rechts.

Und sie hat vom RegisseurIn einen Knopf im Ohr, der RegisseurIn sagt ihr, halte das Schild X oder Y hin. Es kann sein, dass er das heute auch mit Knopf im Ohr macht, aber zu meiner Zeit war das noch dieser Wagen. Der hat ihn durch die Sendung geführt. Er wusste dadurch immer, bin ich in der Zeit, wie heißt der nächste Gast usw.

Ist ja ähnlich wie mit eine Power Point Präsentation. Das ist ja auch eine Art Hilfe. Arbeitest Du viel mit Power Point?

Nur bei meinen englischen Vorträgen, wenn es mehr als 150 Menschen sind. Meine Folie hat mir mein Lieblingsdesigner gemacht. Die sind professionell designet. Und die habe ich für alle Fälle. Dann bin ich gut vorbereitet.

Was empfiehlst Du Deinem jüngeren Selbst aus heutiger Sicht?

Für mich ist das Vernetzen ganz wichtig. Ich hätte mich mehr mit anderen austauschen sollen und das Zweite ist, ich bin etwas spät dahin gekommen wo ich jetzt bin, weil ich mich nicht getraut habe. Habe an mir selbst gezweifelt. Meine Mutter meinte damals ich soll eine Schauspielschule besuche, was ich ja letztendlich auch gemacht habe. Ich möchte die Zeit als Drehbuchautor nicht missen, aber für die Dauer was das nicht meine Welt. Ich bin jetzt da, wo ich hinwollte. Im Nachhinein hätte das eine kleine Spur schneller gehen können.

Ich danke Dir für Deine Zeit und das Interview.

Und wenn Du keine Folge verpassen möchtest, dann abonniere am besten diesen Podcast direkt bei iTunes oder dem Podcast Player Deines Vertrauens. Ich wünsche Dir noch eine schöne Zeit.

 

Neben meinen Präsentationen, Seminaren biete ich:

  • Vertonungen
  • Stimmtraining
  • Einstiegstechniken
  • Präsentations Coaching
  • Moderation Präsentation
  • Erlebnis Seminare, Einzelcoaching
  • Interview und Medientraining, Kameratraining
  • Moderationstraining und Moderationsbegleitung

 

Ich wünsche Dir noch eine schöne Zeit. Servus und auf bald.

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Meine persönliche Buchempfehlung:

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Kontaktdaten des Interviewpartners:

Michael Rossié

Langemarckstr. 3a

D-82166 Gräfelfing

Tel.: +49 89 852 753

http://www.sprechertraining.de

 

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Written by garystuetz

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