Wie wichtig ist Kommunikation im Unterricht?

 
 
Rhetorik und Sprache

Vita:

Lydia Clahes ist Psychologische Beraterin/Personal Coach und seit 2004 Gymnasiallehrerin für die Fächer Deutsch und Religion. Sie bildete sich schließlich zum LernCoach weiter, um Schülern und Familien noch präziser bei Schul- und Alltagsproblemen helfen zu können. Seit Juli 2017 gibt sie Nähkästchengeplauder sowie Tipps und Tricks für den Unterricht in ihrem Lehrerpodcast „LockerLehrer“ weiter.

Außerdem coacht sie ehrenamtlich Eltern und Lehrer und stiftet ihr Honorar der Hilfsorganisation plan.international.
Lydia Clahes liebt Menschen und Musik und lebt mit ihrem Mann, zwei Kindern und Kater Ludwig in Norddeutschland.

Du bist Lehrerin, Psychologische Beraterin/Personal Coach, Lerncoach und nun also Podcasterin.

Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Lehrerin wollte ich werden, seitdem ich denken kann. Der Umgang mit Menschen und ihren Lebensgeschichten ist für mich das Spannendste überhaupt und es war schon immer mein Ding, meinen Mitmenschen beim Problemelösen behilflich zu sein und mich an ihren Erfolgen mitzufreuen.

Also habe ich mich darin ständig nebenbei weitergebildet und konnte dieses Wissen in meine tägliche Unterrichtspraxis einfließen lassen. Auf meine Erkenntnisse als psychologischer Beraterin baute ganz wunderbar die Ausbildung zum LernCoach auf, durch die ich Schüler bei Lernschwierigkeiten individueller betreuen konnte und das auch außerhalb meines Unterrichts immer gern getan habe.

 

Da ich als Lehrerin und Mutter zweier Kinder Erfahrungen gemacht habe, gebe ich diese in meinem LockerLehrerPodcast weiter. Der ist auf große Resonanz gestoßen. Ich coache jetzt Lehrer und Eltern, außerdem unterstütze ich mit dem Honorar Grundschulen in Malawi.

 

Wo liegen die Knackpunkte im Schulwesen bzgl. Rhetorik, Artikulation und Kommunikation generell?

Ein Knackpunkt ist für mich das ständige Bewerten, Beurteilen, VERurteilen-Müssen von Schülern. Und das auch noch nach von außen festgelegten Bewertungsrastern! Da wir als Lehrer aufgefordert sind, regelmäßig Rechenschaft über den Wissensstand unserer Schüler abzulegen, ist es schwierig, den Blick gleichzeitig auf Einmaligkeit, Wunderbarkeit und Stärken unserer Schützlinge außerhalb ihrer schulischen Kompetenzen zu wahren.

Wir gewöhnen uns ein festes Beurteilungsvokabular an, testen, testen und testen, verbessern und verbieten. Dabei gehen so viele wundervolle Eigenschaften unserer Schüler ungesehen im Schulalltag unter, da diese nun mal nicht fürs Zeugnis abgefragt werden.

Es wäre für viele Kinder so wertvoll, wenn Lehrer den Druck rausnehmen und den Fokus stärker auf Bestätigung und Wertschätzung eines Kindes richten könnten, bevor sie Vorschläge machen, wie ein Kind seine Leistungen in Fach xy verbessern kann.

Es geht in unserem Schulsystem bei vielen Kindern – vor allem Jungs! - viel zu viel Selbstvertrauen verloren, wenn sie täglich nur damit konfrontiert werden, was sie alles nicht können. Manch einer findet ja erst zu seinen persönlichen Stärken, nachdem er die Schulzeit hinter sich gebracht hat.

 

Warum wird das noch nicht praktiziert?

An manchen Schulen kann man dies zum Glück bereits erleben: Es wächst eine Generation junger engagierter Lehrer nach, die richtig Lust am Lehrerleben mitbringen und diese Freude auch ihren Schülern weitergeben können. Auch sind Eltern heute zum Glück kritischer und werden aktiv mit einbezogen. Doch vollzieht sich Wandel im Schulsystem eben extrem langsam und ist nach außen hin nicht immer sofort sichtbar.

Auch wird das „klassische Schulsystem“ wohl noch lange nachwirken, da wir alle eben noch immer ein Zensurenraster im Hinterkopf haben: Auch wenn ich als Lehrerin am Elternsprechtag positiv gestimmt von den Stärken eines Kindes schwärme, fragen seine Eltern natürlich am Ende: „…und was für eine NOTE wäre das dann genau?“

Der Notendurchschnitt ist leider für die meisten noch immer ein ausschlaggebender Stempel, der aber meines Erachtens über das, was ein Mensch tatsächlich zu leisten in der Lage ist, viel zu wenig aussagt.

 

Wie wichtig ist positive Kommunikation für die Ausbildung der Lehrer?

Extrem wichtig!

Schließlich haben wir mit unglaublich vielen Menschen zu tun. Viele Konflikte entstehen – nicht nur in der Schule – meines Erachtens aus Missverständnissen bzw. unachtsamer Kommunikation.

Positive Kommunikation ist leider nicht Teil der Ausbildung, dabei sollten sich Lehrer damit auskennen, Vorbild sein, Schüler dafür sensibilisieren, so zu kommunizieren, dass sie nicht nur richtig verstanden werden, sondern lernen, wertvolle Beziehungen damit herzustellen.

 

 

Wäre Kommunikation als Schulfach sinnvoll?

Das halte ich für eine wunderbare Idee! Sprache an sich ließe sich bedeutend authentischer im Rahmen eines solchen Faches analysieren, als es im klassischen Deutschunterricht der Fall ist. Auch birgt missverständliche Kommunikation solch ein Konfliktpotenzial – vor allem in der Pubertät!

Darüber besser Bescheid zu wissen wäre wirklich mal lebensdienlich. Hinzu kommt, dass wir die Folgen der einen immer größeren Raum einnehmenden virtuellen Kommunikation unserer Schüler noch gar nicht absehen können. Ich habe das in meinem Unterricht ständig problematisiert, da es mir persönlich so wichtig war, Schüler darüber aufzuklären, wie künstlich ein virtuelles Gespräch im Vergleich zum wahren Leben ist. Ich finde, sowas ist heutzutage lehrplanrelevant.

 

Was ist dein Lebensmotto?

„Wer weiß, wofür DAS gut ist?!“ Dies beinhaltet für mich die Möglichkeit, aus jeder noch so ausweglosen Situation für mich und andere doch noch etwas Positives zu machen und hält davon ab, zu viel Zeit mit Ärger, Wut und Sorge zu verbringen.

 

Was bedeutet für dich Erfüllung im Leben?

Eine glückliche Familie zu haben, Liebe, Zusammenhalt und Respekt voreinander zu (er)leben.

 

Welches war dein schönster Moment in deiner Karriere?

Highlights in der Schule entstehen für mich in Momenten, in denen ich jemanden über sich hinauswachsen sehe: z.B. mitzubekommen, dass ein Kind sich in meinem Unterricht plötzlich etwas Besonderes traut, donnernden Applaus von der Klasse erntet – so etwas verschafft mir eine Gänsehaut oder lässt mir ein Freudentränchen in die Augen schießen.

 

Welchen Stellenwert haben für dich Podcasts?

Ich bin sehr froh, dieses Medium für mich entdeckt zu haben und es macht mir viel Spaß, meine Erfahrungen und mein Wissen damit verschenken zu können. Es ist spannend, dass es mittlerweile zu fast jedem Thema einen Podcast zu hören gibt und profitiere sehr davon.

 

Was war bisher deine beste Entscheidung im Leben?

Eine Familie zu gründen. Eltern zu sein bedeutet die Aufgabe persönlicher Freiheiten zugunsten von für mich unbeschreiblichem Lebensglück. Erst mit Kindern wurde mir bewusst, zu WIE viel Liebe und Hingabe ich tatsächlich in der Lage bin und wie wundervoll und wertvoll es ist, sich auf diese kleinen Menschen voll und ganz einzulassen.

 

Welcher Mensch kommt dir in den Sinn, wenn du das Wort „erfolgreich“ hörst?

Kein bestimmter.

 

Erfolgreich ist für mich ein Mensch, der seinen Weg gefunden hat, glücklich zu sein.

 

Lebensglück bedeutet für jeden etwas anderes.

 

Was würdest du heute deinem jüngeren Selbst empfehlen?

Mich von nichts und niemandem verunsichern zu lassen, denn das bindet sämtliche Energie, die sich bedeutend wertvoller einsetzen lässt.

Deine zwei stärksten Glaubenssätze:

 

„Liebe öffnet Türen“. Liebe ist eine Kraft, die sehr viel bewegt.

 

Sie lässt uns Dinge tun und lassen, die wir uns selbst nicht erklären können. Liebe lässt sich nicht erzwingen, doch kann ich mich täglich dafür entscheiden, „mit Liebe voll“ zu agieren, um so meine Umwelt immer besser zu verstehen und schließlich auch besser zu machen. Nichts ist peinlich: Du kannst tun was du willst, die Leute reden eh über dich. Bleib du selbst.

Drei größten Stärken:

- Humor
- Kreativität
- Positives Denken

 

Welche coole Gewohnheit hast du?

Nicht gerade cool, aber wirkungsvoll: Seit einem halben Jahr meditiere ich täglich. Das ist für mich wie „Aufräumen im Kopf“ – für kreative Chaoten: unerlässlich!

 

Welcher Wert ist mir besonders wichtig.

Empathie: Jede Situation und jede Handlung meines Gegenübers hat Hintergründe. Nur wenn man diese zu verstehen versucht, ergeben sich daraus neue Wege und eben auch Auswege.

Vielen herzlichen Dank für das Interview und deine Zeit.Merken

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Und wenn dir mein Podcast gefällt, bitte ich dich um eine positive Rezession auf iTunes. Dafür bin ich dir sehr dankbar.

Noch eine schöne Zeit.

Dein

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Meine persönliche Buchempfehlung:

 

Kontaktdaten des Interviewpartners: 

Kontaktdaten des Interviewpartners:

www.lockerlehrer.de 

mail: lockerlehrer@web.de

 

Written by garystuetz

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