Das Verständlichste an der Sprache ist?

 
 
Sprache und Wirkung

Nachdem ich in der letzten Zeit immer wieder von einigen Teilnehmern mit Thema Stimmproblemen konfrontiert wurde, mache ich diese Folge und gebe dir Einblicke in unsere wichtigste Visitenkarte. Richtig präsentieren, richtig sprechen, beim Reden auch gehört werden.

Der Stimme.

Friedrich Nietzsche  sagte: Das Verständlichste an der Sprache ist nicht das Wort selber, sondern Ton, Stärke, Modulation und Tempo mit denen eine Reihe von Wörtern gesprochen wird.

Kurz, die Musik hinter den Worten, die Leidenschaft hinter dieser Musik, die Person hinter dieser Leidenschaft.

Also alles, was nicht geschrieben werden kann. Wie recht Herr Nietzsche doch hat. Denn wenn dies alles zusammentrifft, dann bist du wahrlich ein Stimmkünstler.

Es gibt jedoch einen Haken an dieser Sache. Wir nehmen unsere Stimme, unser Sprechen als selbstverständlich. Wir denken nicht darüber nach, welche Kraft wirklich dahintersteckt. Versuche einmal dich selber zu beobachten. Gibt es Personen denen du, wenn diese Sprechen wie gebannt an den Lippen hängst? Wenn ja, dann frage dich warum das so ist. Vielleicht gefällt dir der Klang der Stimme, die Geschwindigkeit, Rhythmus wie diese Person spricht. Erzeugt diese Person Spannung im Gesagten usw.

Wie reagierst du, wenn du jemanden das erste Mal begegnest?

Oft entscheidet der Klang einer Stimme über Sympathie oder auch Antipathie. Davon hängt auch die Bereitschaft ab, ob du jemanden zuhörst. Also nicht vom Inhalt alleine, sondern wie es auch schon Albert Mehrabian sagte.

Von der Stimme und der Körpersprache. Vielleicht erinnerst du dich noch an Folge 001, hier habe ich es schon einmal erwähnt, dass es in der Kommunikation auf drei Komponenten ankommt. 7 % Inhalt, 38% Stimme und 55 % der überaus wichtige Bereich der Körpersprache. Und wenn Stimmlage und Lautstärke auch noch passen, dann wirst du beim Sprechen auch gehört. Also sollte Sprecher und Stimme zueinander passen.

Es gibt viele Bereiche wo die Stimme beruflich gebraucht wird. Verkäufer, Telefonisten, Lehrer, Moderatoren, usw. Und genau für diese Berufszweige ist die Funktion und Wirkung der Stimme, der Ausdruck so wichtig, weil oftmals auch Erfolgsentscheidend.

Aber.

Jede Stimme ist einzigartig. Sie ist wie ein Fingerabdruck. D.h. beim Hören erscheinen uns zwar gewisse Stimmimitationen täuschend ähnlich. Doch Stimmdiagramme, diese werden elektronisch erzeugt, zeigen deutliche Unterschiede. Daher sind Tonbandaufnahmen auch in der Polizeiarbeit entscheidend, vor allem in der Kriminalitätsaufklärung. Hier spielen diese eine ebenso große Rolle, wie ein Fingerabdruck oder der genetische Code.

In meinen Seminaren frage ich meine Teilnehmer immer.

Was ist Stimme?

Zum einen ist Stimme heiße Luft. Also unsere ausströmende Atemluft.

 

  • Weiters ist Stimme ein Instrument der Kommunikation. Sie trägt entscheidend zum positiven Eindruck bei.
  • Stimme ist ein Persönlichkeitsmerkmal. Sie ist einzigartig und jeder Mensch kann dadurch identifiziert werden.
  • Stimme ist Ausdrucksmittel. Sie erzeugt Stimmungen und Gefühle.
  • Stimme ist ein Instrument, etwas Faszinierendes, ein Phänomen

 

Und jetzt komme ich zu einem ganz wichtigen Thema. Das ist unser Motor.

Die Atmung ist der Motor.

In der Fahrschule lernst du, dass ein Auto ohne Motor nicht fährt. Ohne laufenden Motor gehts einfach nicht. Da kannst du Gas geben wie du möchtest. Nix los, ohne Motor. Ähnlich ist es mit unserer Stimme. Ohne Luft geht nichts. Versuche doch einmal die Luft anzuhalten. Du kannst zwar die Zunge und den Mund bewegen, es wird jedoch kein Ton entstehen. Es gibt verschiedene Atemarten.

Die Ruheatmung.

Wenn wir nicht sprechen, uns nicht körperlich bewegen dann haben wir eine ganz ruhige Atmung. Denke daran, wenn du schläfst. Wir denken nicht über unser Atmen nach. Alles geschieht vollkommen ruhig und entspannt.

Dann gibt es die Leistungsatmung.

Beispielsweise beim Sport. Oder einer anderen körperlichen Betätigung. Hier wird mehr Luft eingeatmet. Auch bei psychischer Belastung. Wir amten viel bewusster ein und wieder aus.

Dann gibt es noch die Stimmatmung.

Diese brauchen wir, beim Sprechen oder Singen. Daher auch Sprech- oder Stimmatmung genannt. Ein- und Ausatmung sind hier in der Regel vertieft.

Ein kleiner Versuch für dich.

Setzte dich bitte, wenn möglich, auf die Vorderkante eines Stuhls. Dann nimm deine Hand und lege diese auf deine Brust. Jetzt atmest du ganz bewusst dahin. Merkst du es?
Und jetzt legst du deine Hand auf deinen Bauch, in Höhe Bauchnabel. Atme jetzt dahin. Merkst du den Unterschied.

 

Das ist die Brust- und Bauchatmung.

 

Und in den oben angesprochenen Atmungsvarianten wechseln wir zwischen Brust- und Bauchatmung. Vor allem bei körperlicher Betätigung, also bei der Leistungsatmung atmen wir mit der Brust. Am besten ist es, abwechselnd zu atmen. Versuche es einmal ganz bewusst, zwischen Brust- und Bauch zu atmen. Dadurch werden beide auch aktiviert und mobilisiert.

Ähnlich wie bei einem Herzschlag funktioniert die Atmung weitestgehend automatisch und unbewusst. Jedoch können wir im Gegensatz zum Herzen unseren Atem auch gezielt steuern. Du kannst die Luft anhalten tiefer oder flacher atmen. Wie du möchtest.

Wie verwenden wir jedoch die Atmung im Sprachgebrauch?

Du kennst sicherlich das Sprichwort: "Da bleibt mir die Luft weg." Das kann jetzt heißen, dass du gerade eine positive oder auch negative Nachricht erhalten hast. Oder auch die Aussage: „Jetzt halt mal die Luft an." Diese doppelsinnige Bedeutung sagt dir im wahrsten Sinne des Wortes schon alles. Sein einfach mal still. Du kennst sicherlich jemanden der ein sehr großes Durchhaltevermögen hat. Da gibt es diese Aussage. "Der hat aber einen langen Atem."

Erkennst du etwas?

Durch diese Aussagen legen wir unbewusst in unsere Atmung sehr viel Aufmerksamkeit. Wir geben ihr sehr viel Bedeutung.

Warum das so ist?

Das Leben beginnt mit dem ersten Schrei eines Babys und endet mit dem letzten Atemzug. Wo wir wieder bei der Atmung wären. Unsere Atmung ist ein Geben und Nehmen. Ein Austausch von innen nach außen kann man sagen. Und für unseren Stimmklang ist auch die Atmung verantwortlich. Wenn du nervös bist, kann es sein, dass deine Stimme beim Sprechen zittert, zu leise ist oder du bringst überhaupt keinen Ton mehr heraus.

Also schenken wir unserer Atmung etwas mehr Aufmerksamkeit. Und unser Zwerchfell ist unser wichtigster Atemmuskel. Daher habe ich hier eine kleine Übung für dich, wenn du möchtest.

Lege die Hand auf den Bauch und hüstle einmal kurz. Jetzt wirst du eine kleine Bewegung feststellen, die durch das Auf und ab des Zwerchfells gegeben ist. Auch wenn du lachst oder du Schluckauf hast. Ist die gleiche Bewegung. Wenn du mal beim Sport wieder Seitenstechen hast, auch das hängt mit dem Zwerchfell zusammen. Aber das, ist eine andere Geschichte.

Dann brauchen wir für unser Sprechen noch etwas ganz Wichtiges.

 

Den Kehlkopf, der legt den richtigen Gang ein.

 

Er ist das Herz der Stimmgebung. Der Kehlkopf ist nämlich maßgeblich für den Stimmgebungsablauf verantwortlich. D.h. hier entscheidet sich, ob die Stimme hoch oder tief ist, ob sie knarrend oder klar ist. Kann man in etwa mit dem Gang eines Getriebes vergleichen. Du kannst dein Auto mit dem ersten Gang fahren, wird nur etwas hochtourig sein. Und du verbrauchst dabei nicht nur viel Energie, der Motor wird schneller kaputt werden. Du kannst es jedoch auch mit dem 5. Gang fahren, was natürlich viel effizienter ist. Und Energiesparender.

Ähnlich ist es mit dem Stimmapparat. Bei falscher Anwendung kommt es zu unangenehmen Geräuschen. Es kracht im Getriebe. Die Stimme knarrt oder klingt dadurch heiser.

Aber was ist der Kehlkopf und wo liegt dieser genau?

Ganz einfach. Er ist quasi wie ein Ventil und liegt am oberen Ende der Luftröhre. Er besteht aus einem Knochen und mehreren Knorpeln, diese sind durch Membrane miteinander verbunden. Er ist von einer Schleimhaut überzogen mit verschiedenen Nervensträngen und rund 60 Muskeln. Glaubt man kaum.

Er hat auch verschiedene Aufgaben. Besser gesagt zwei wichtige Funktionen.

 

  •  er verschließt die die Luftröhre beim Schlucken. Dadurch kommen keine Fremdkörper in die Luftröhre. Damit kein Speisebrei beim Schlucken in die Luftröhre gerät.
  • und er ist für die Stimmgebung zuständig.

 

Der Kehlkopf ist weiters die Verbindungsstelle von Körper und unserem Gehirn. Unserer Schaltzentrale. Ich gehe jetzt aber nicht weiter in die Tiefe der Materie. Ich wollte dir nur einen kleinen Überblick geben, was wir zum Sprechen alles so brauchen.

Dazu gehören auch unsere Stimmbänder oder auch Stimmlippen genannt. Diese brauchen wir da wir gemeinsam mit der Atemluft den Stimmton erzeugen. Diese sind zwei mit Schleimhaut überzogene Muskelstränge die rund 11 mm bis 20 mm lang sind. Unabhängig vom Geschlecht und Alter. Kinder haben jedoch etwas kürzere Stimmlippen als Erwachsene und wir Männer haben meist etwas längere als die Damenwelt.

Bei Männern ändert sich die Grundlänge der Stimmbänder- oder Lippen in der Pubertät. Dies führt zum Stimmbruch und dieser kann bekanntlich sehr eigenartig ausfallen. Also mit teilweise unkontrollierbaren Stimmeinsätzen oder auch Stimmabrüchen. Ist jedoch ganz normal. Für uns Zuhörer ist es oft sehr amüsant.

Bei Frauen ist so eine Phase nicht so ausgeprägt, da ihre Stimmlippen wie wir ja gehört haben, kürzer als die der Männer sind. Der Kehlkopf ist kleiner und "hängt" im Hals etwas höher. Daher sprechen Frauen im Grunde auch etwas höher als Männer. Sie haben eine höhere Sprechstimmlage, die sogenannte Indifferenzstimmlage, wie schon in Folge 28 erwähnt.

 

Und damit kommen wir zur Artikulation. Diese lenkt in die gewünschte Richtung. Also unser Lenkrad.

 

Es macht zwar der Ton die Musik, heißt es, jedoch erst durch die Artikulation werden Laute und Worte geformt. Dazu benötigen wir den Rachenraum, die Mundhöhle, Zunge, Nasennebenhöhlen und Mundlippen. Hier wird quasi die Fahrtrichtung bestimmt. Und die Feuchtigkeit der Schleimhaut im Mund- und Rachenraum, auch Ansatzrohr genannt, trägt zur Klangqualität bei. Lässt sich mit Schmieröl beim Auto vergleichen. Wer gut schmiert, fährt gut.

Zu guter Letzt habe ich noch eine kleine Übung für dich.

Es geht um das Wort. Worte sind eigentlich einzelne Buchstaben, die aneinandergereiht werden. Nun, nicht ganz so einfach. Denn sie bestehen permanent aus den Übergängen von einem Laut zum anderen. Versuche das an einem Wort aus. Aus dem Wort "MARMELADE."

Versuche jeweils nur den einzelnen Buchstaben zu sprechen. Nicht wie im Alphabet für M //EM, sondern wirklich nur M.

M A R M E L A D E.

 

Wirkung und Ausdruck

Wenn du nun das gleiche Wort wie gewohnt sprichst, achte darauf, was zwischen den einzelnen Buchstaben passiert. Du wirst merken, dass der Ton dazwischen nicht abbricht, sondern nur die Zunge, der Mund und der Rachen die Lage verändern.

 

 

 

 

Viel Spaß mit der Marmelade. Die habe ich übrigens gerne auf meinem Frühstücksbrot.

Und wenn dir mein Podcast gefällt, bitte ich dich um eine positive Rezession auf iTunes. Dafür bin ich dir sehr dankbar.

Noch eine schöne Zeit.

Dein

Präsentieren sicher sprechen besser wirken
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Written by garystuetz

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