Stimme bringt in Stimmung

In Teil 1 ging es ja schon um die Macht der Stimme und jetzt sprechen wir von „Unsere Stimme ist wirksam“. Wer kennt das nicht? Der Herbst ist gekommen und viele sind von lästigem Naselaufen und Husten geplagt. Auch unsere Atemwege und somit unsere Stimme leiden darunter. Eine echte Herausforderung wenn Du Lehrer/in , Moderator oder Sprecher bist oder wenn Du einen Job hast bei dem Du viel telefonieren musst. Deine Stimme ist nämlich einzigartig und Dein wichtigstes Ausdrucksmittel, Deine Visitenkarte. Deshalb ist es besonders jetzt in der kühleren Jahreszeit besonders wichtig die Stimme zu pflegen. Was aber meine ich mit Stimmung? Nun, ganz einfach. Mit unserer Stimme, unserem Sprachrhythmus, unsere Modulation und  Tonalität sowie mit der Sprechgeschwindigkeit können wir unser Gegenüber fesseln, volle Aufmerksamkeit holen und somit in eine Stimmung versetzen. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei einer sehr lieben Person bedanken, sie war schon in meiner Folge 45. Sie ist Lehrerin mit Leidenschaft und eine erfolgreiche Podcasterin. Ihre Show heißt locker Lehrer und sie hat eine tolle Stimme. Beim Radio würde Sie wahrscheinlich sofort einen Job bekommen denn sie hat eine sehr angenehme weibliche Stimme. Liebe Lydia Clahes, vielen Dank für deine Stimme!

Unsere Stimme ist wesentlich für die Wirkung. Die Stimme ist das Werkzeug zum Aufbau von Beziehungen

Nun aber zu unserer Stimme und ihrer Funktion

Unsere Stimme ist Ausdruck der Befindlichkeit und somit weit mehr als nur akustisches Ausdrucksmittel. Wenn im Zusammenspiel von Atmung, Lautbildung, Resonanzraum und Steuerung etwas nicht stimmt kommt es zu Stimmstörungen. Dazu fällt mir spontan das Sprichwort „aus dir kommt nur heiße Luft“   ein, das ich auch immer bei meinen Vorträgen, Seminaren oder Workshops verwende. Weil es  stimmt. Ohne Luft keine Stimme. Ein- und Ausatmen ist ein Wechselspiel der Atemmuskulatur,  wobei beim Menschen die Hauptarbeit das Zwerchfell erledigt. Du musst Dir den wichtigsten Atemmuskel als eine drei bis fünf Millimeter dicke, kuppelförmige, Muskel-Sehnen-Platte vorstellen. Sie liegt zwischen Brust- und Bauchhöhle und ermöglicht beim Zusammenziehen die Ausdehnung der Lunge und dadurch die Einatmung. Durch verschiedene Atemtechniken werden verschiedene Muskeln an Brust, Bauch und Rücken unterstützt.

Übrigens: Das passiert mit richtig Speed weil die Luft mit einer Geschwindigkeit von zirka drei bis fünf Meter pro Sekunde aus der Lunge gepresst wird. Das ist echte Hochleistung. Hinzu  kommt noch ein weiterer  Hochleistungsapparat zum Einsatz, den man bei Männern auch gerne Adamsapfel nennt. Der Kehlkopf. Unser Kehlkopf ist der Stimmerzeuger und schützt vor dem Eindringen von Fremdkörpern in die Luftröhre. Und noch etwas ganz wichtiges trägt entscheidend zur Stimme bei. Unsere beiden und hoch sensiblen Stimmbänder. Im Grunde heißen sie Stimmlippen. Sie bestehen aus Stimmband,  Bindegewebe, Vokalismuskel, Nerven, Gefäßen und einer umhüllenden Schleimhaut. Die Stimmlippen sind bei Männern und Frauen sehr unterschiedlich groß. Bei der Frau sind sie etwa 1,6 bis 2 Zentimeter lang, beim Mann sind sie etwa 2 bis 2,4 Zentimeter lang.

Wie kommt nun ein Ton zustande ?

Mit Hilfe der Stellknorpel regulieren mehrere kleinere Muskelfasern die Weite der Stimmritze und die Spannung der Stimmlippen. Dadurch entsteht der Grundklang der Stimme, Lautstärke und Tonhöhe. Am besten kannst Du Dir das an einer Gitarre vorstellen, bei der die tiefste Seite das tiefe E ist. Je höher du nun eine Seite spannst, umso höher klingt sie. Genauso ist es bei unserer Stimme. Je höher die Spannung, umso schneller die Schwingung, desto höher der Ton. Man muss sich einmal vorstellen, dass bei einer Sopranstimme die Stimmlippen bis zu 1.000-mal pro Minute schwingen. Eine durchschnittliche Alltagsstimme umfasst ein bis eineinhalb Oktaven, eine trainierte Stimme schafft bis zu vier Oktaven! Erst durch die Resonanzen erhält die Stimme den vollen, charakteristischen Klang. Resonanzen entstehen im Mund-, Nasen- und Rachenraum. Man bezeichnet diese Räume zusammen auch als Ansatzrohr, weil sie den Schall wie ein Zylinder abwandeln und verstärken. Die Kehlkopfklänge werden durch Zungen- und Mundbewegungen schließlich zu Sprachlauten geformt. Deshalb heißt der Mund-Nasen-Rachen-Raum auch Vokaltrakt.

Unsere Stimme ist wesentlich für die Wirkung. Die Stimme ist das Werkzeug zum Aufbau von Beziehungen

Die Stimme ist unverwechselbar

Unsere Stimme ist nicht nur individuell sondern einzigartig und unverwechselbar wie ein Fingerabdruck. Darum wird die Identifizierung der Stimme in der Kriminalistik häufig angewendet. Wenn z.B. die Telefonstimme eines Entführers von Spezialisten gehört und kriminaltechnisch identifiziert wird kommt eine ganz spezielle Methode zum Einsatz. Diese Methode nennt man Biometrie. Es handelt sich dabei um eine Wissenschaft, die individuelle, unverwechselbare  Merkmale an Lebewesen misst wie z.B. der Fingerabdruck eines Menschen oder aber auch unsere Stimme. Die Unverwechselbarkeit ergibt sich aus: Körperbau, insbesondere die Größe und Beschaffenheit des Vokaltracktes, (Kehlkopf, Stimmlippen, Rachen, etc.)

  • Gewebeeigenschaften wie die Festigkeit des Bindegewebes in Hals und Rachen
  • Knochendichte und andere Schwingungseigenschaften im menschlichen Körper

Aus diesem Grund hat Stimmgewalt nichts mit der menschlichen Körperfülle zu tun. Opernsänger brauchen nicht die Gestalt eines Hünen und Du musst auch nicht wie Bud Spencer aussehen. Entscheidend sind  Stimmausbildung, die richtige Beurteilung der Stimmlage und die Vermeidung jeglicher Überlastung. Hinzu  kommen Kopf- und Körperhaltung. Je besser die Körperspannung umso ausdrucksvoller die Stimme. Die falsche Atemtechnik verändert übrigens die Körperhaltung. Es ist schon erstaunlich, was alles dazu gehört. Selbst wenn Du über all diese Kriterien oder Komponenten verfügen solltest bedeutet es nicht automatisch, dass du beim Singen auch den richtigen Ton triffst. Talent und akustische Wahrnehmung braucht`s natürlich auch noch. Siehe DSDS. Hier hörst Du etliche Beispiele, wie es bei einer falschen Einschätzung so richtig in die Hose geht.

Wie werde ich gehört?

Unsere Stimme ist wesentlich für die Wirkung. Die Stimme ist das Werkzeug zum Aufbau von Beziehungen

Kürzlich wollte ich einen Workshop halten als kurz vorher eine attraktive junge Frau auf mich zu kam und mir erzählte, dass sie Probleme hat, gehört zu werden. Ihre Stimme klingt so leise und niemand hört ihr zu. Ich schaute mir das näher an und mir fiel auf, dass sie sich selbst klein machte. Die junge Frau war nicht klein gewachsen, etwa 1, 78 cm. Für eine Frau also recht groß und große Menschen machen sich oftmals etwas kleiner um nicht aufzufallen. Und genau das tat sie. Sie machte sich klein. Um wahrgenommen und gehört zu werden ist die Stimme äußerst wichtig aber auch Selbstsicherheit und Präsenz spielen eine ebenso wichtige Rolle um die Aufmerksamkeit zu erhöhen. Also gab ich ihr eine Übung:„Jetzt stellst du dich ruhig und präsent vor all die anderen, siehst einmal von links nach rechts ohne etwas zu sagen und dann kommt dein wie schon so oft erwähnter Einstiegssatz.“ Sie hat´s gemacht und siehe da, sie war überhaupt nicht nervös. Sie wurde wahrgenommen, sie wurde gehört.

Ich habe hier eine kleine Checkliste für dich als Sprecher zusammengestellt:

  • Lege das richtige Gefühl in das Gesagte
  • achte auf die Sprechgeschwindigkeit, wenn wir nervös sind sprechen wir zu schnell
  • deine Aussprache soll klar und deutlich sein, weg mit der Mundfaulheit
  • auf die Lautstärke und richtige Betonung kommt es an
  • vermittle Kompetenz beim sprechen
  • bleib souverän, soll heißen sprich zu mir. Also beziehe mit deinen Blicken alle mit ein
  • sprich niveauvoll, deutlich und führend
  • bleib prägnant und achte auf eine gute Sprachqualität

Dazu brauchst Du eine gute Vorbereitung und die immer wieder gern von mir erwähnten 3 Buchstaben. T U N.  Tue es und Du wirst beim Reden auch gehört.

 

Written by garystuetz

2 Comments

garystuetz

Gute Wirkung in der Kommunikation ist wesentlich um auch zu überzeugen im täglichen beruflichen Gespräch.

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